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Ambivalenz

Aktualisiert: 19. Nov 2020

Ein Baum oder zwei Bäume ? Fotos: Ahrens-Botzong


Ambivalenz - eine Betrachtung ©

" Klug, wissend, vernunftbegabt. So sehen wir uns selbst. Darum haben wir uns auch den Namen ' homo sapiens ' gegönnt. Streng genommen müssten wir jedoch ' homo sapiens et ambivalens ' heißen: Der wissende und widersprüchliche Mensch.

Ambivalenztauglichkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen und den Fortbestand einer offenen, vielstimmigen und toleranten Demokratie. " Quelle: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/psychologie/ambivalenz-konflikt-100.html

Es gibt wohl eine große Zahl von Situationen, die ambivalent aufgenommen werden, z. B.

- Wahrnehmungsambivalenz Darauf beruhen Vexierbilder und Bilder, in denen schemenhaften Gestalten aufscheinen.

- Beurteilungsambivalenz "Ist das Glas halbvoll oder halbleer?"

- Emotionale Ambivalenz "Ich liebe es, aber da ist noch etwas."

Daraus können belastende Situationen entstehen, z. B. Unfähigkeit zu entscheiden. Wenn gar die Lebensführung dadurch beeinträchtigt ist, kann therapeutische Hilfe nötig werden.

Zukunftserwartung ist stets ambivalent, weil das Geschehen durch unabsehbare Einflüsse jederzeit eine Wendung nehmen kann. Daher leben wir mit einem Grundgefühl von Ambivalenz. Es kann an unserer Energie zehren - ähnlich als laufe man bis zur Schulter durch Wasser.

Aus diesem Grundgefühl heraus entwickeln sensible Menschen auch ein Verständnis für Ambivalenz in der Kunst. Je nach den Betrachtungsverhältnissen kann man z. B. in einem derart komponierten Kunstwerk verschiedene Gestalten erkennen. Künstler fördern diesen Effekt durch Verzerrung der Gestalten und unscharfe Konturen. In Naturszenen, aus bestimmtem Winkel bei bestimmten Lichtverhältnissen fotografiert, erscheinen z. B. Wasser- , Baum- und Felsengeister.

Man kann das umkehren und sich beim Betrachten eines Kunstwerks immer fragen: Geht es hier um das, was ich im Augenblick sehe, oder ist da noch was verborgen? Dieses braucht gar nicht vom Künstler vorgegeben sein; es kann auch im Betrachter liegen, indem persönliche Prägungen, Erfahrungen und Erinnerungen geweckt werden. Zusammengefasst kann man sagen: Vieles was uns begegnet, ist nicht das oder mehr als Jenes, was wir beim ersten Blick davon wahrnehmen.

Rudolf Ahrens-Botzong, November 2020

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